WIF – Der Wahrnehmung-Interpretations-Filter
Vorweg aus aktuellen Anlass:
Der WIF ist (leider) auch bei IHREM ‚Internet-Seiten-Such-Verhalten‘ und hat entsprechend Auswirkung auf das, was Sie finden -oder eben auch deshalb NICHT finden werden ….
Und um ’noch eins drauf zu setzen: Was ist, wenn sich der WIF und Ihr ‚Internet-Seiten-Such-Verhalten‘ auch generell auf IHR Leben übertragen lässt?!
Ein kleines Empiriment:
Lesen Sie einfach folgenden Text:
”Fllas Sie desein Staz lseen knönen, owbhol die Andronug der Bcuhsteban kienen Snin egerben, ist das ein Biewes düfar, wie Ihr Gihren Raetilät ezruegt, die unbahingäg von der Aßuenwlet ist….”
(Hier finden Sei eine Erläuterung zu Ihrer möglichen Beobachtung)
Der Wahrnehmung-Interpretations-Filter ( = WIF) könnte DER entscheidende ‘Faktor’ sein, wenn es darum geht, Probleme in Lösungen zu ‘verwandeln’.
Es geht also um den Einfluss von Wahrnehmung und Interpretationund den ‚automatischen Filter‘, der unbewusst, ‚automatisch‘ im Hintergrund läuft, und der letztendlich darüber entscheidet, wie wir auf die Welt und vor allem andere Personen re-agieren und was möglich erscheint.
“Filter” bezieht sich auf die Tatsache, dass das Gehirn bzw. Menschen nur einen Bruchteil der aktuellen ‘Reize’/Signale aufnehmen und verarbeiten können – aus der Umwelt, aber auch aus dem ‘inneren Raum’, d.h. aus dem Gedankenfeld oder den Sinneswahrnehmungen des Körpers. Beispiel: Während Sie diese Zeilen lesen, entgeht Ihnen vermutlich gerade die Wahrnehmung Ihrer rechten Fußsohle oder Ihrer Bauchdecke, die sich beim Ein- und Ausatmen nach Außen bzw. nach Innen wölbt, stimmt’s ?
EINE INTERPRETATION (aus der Gehirnforschung) ist, dass diese Filterung letztendlich dem Überleben des Organismus dient, zumindest dann, wenn Sie Signale filtern müssen, die für Ihr körperliches und seelisches Überleben bzw. Wohlbefinden relevant sind.
Ein Beispiel aus der Trauma-Forschung: Ein (über 40-jährige) Frau, reagierte auf Männer mit Vollbart zumindest distanziert oder auch aggressiv. Der “Vollbart-Filter” war für sie einmal ‘lebensnotwendig’, da sie in ihrer Kindheit, Missbrauch ausgeliefert war und der Täter einen Bart hatte (- nicht mal einen Vollbart, wie sich später herausstellte, sondern einen “breiteren Oberlippenbart”. Die Verallgemeinerung (“Generalisierung”) bzw. Ausweitung auf ‘andere Bartformen’, kann man als ‘Erweiterten Schutzfilter’ interpretieren; es ist sozusagen für das Gehirn ‘einfacher’ zwischen den vielen Gesichtern a) die mit Bart auszufiltern und b) den ‘größten’, deutlichsten alle Bärte schon frühzeitig zu erkennen.
Der Wahrnehmungsfilterist in diesem Beispiel also ‘der Bart’ – statt z.B. die Köperstatur oder die Augen.
Der Interpretationsfilter ist “Bart = Gefahr/Bedrohung”
Auch – und vielleicht gerade,- wenn diese ‘extremere’ Beispiel einen traumatischen Hintergrund hat, kann man den WIF (Wahrnehmung-Interpretations-Filter) bei jedem Menschen entdecken.
In der (Systemischen) ‘Entwicklungskunst’ geht es deshalb insbesondere darum, in einem 1. Schritt sich vorhandenen und ‘entwicklungshinderliche’ WIFs anzuschauen u. in einem 2. Schritt zu verändern bzw. zu erweitern.
Vielleicht eine der wichtigsten Ansätze hierfür ist das ’Reframing’(Ext. Link: ”Methodenpool der Universität zu Köln”) – im wörtlichen Sinne: “das (wieder =”re”) in einen anderen Bezugsrahmen (=”frame”) setzen.”
Da sich die WIFs besonders in der Sprache zeigen, kann es wertvoll sein, Interpretationen eher in Richtung ‘Fakten’ zu beschreiben, wie es z.B. in der “Gewaltfreien Kommunikation (GfK) von Marshall Rosenberg, geübt wird (s.a. “Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation, 3 DVDs”).
Falls Sie den im Emperiment vorgestellten Text ‚entschlüsselt‘ haben, und folgenden Satz ‚gelesen‘ haben, war Ihr Interpretationsfilter aktiv:
„Falls Sie diesen Satz lesen können, obwohl die Anordnung der Buchstaben keinen Sinn ergeben, ist das ein “Beweis” dafür, wie Ihr Gehirn Realität erzeugt, die unabhängig von der Außenwelt ist….“
Das Gehirn versucht also dem, was da steht, einen Sinn zu geben auch und gerade indem dies nur gelingt, „sich die Wahrheit zurecht zu biegen“ (= Die seltsame Buchstabenkombination sind die Tatsachen, der ’sinnvolle‘ Satz, den Sie daraus ‚im Kopf‘ interpretiert und umgedeutet haben, ist eine Illusion).